Weiter [Alt+c]Zur Übersicht [Alt+x]Zurück [Alt+y]

Wachtelhund erschossen

Uns allen ist der Fall des erschossenen Wachtelhundes "Hannibal" auf einer Drückjagd in Illmenau bekannt.
Dirk Busch Landesgruppenvorsitzender aus Brandenburg schreibt hier aus seiner Sicht.

Da ich, wie auch andere brandenburger Hundeführer, gelegentlich mit meinen Hunden auch auf Jagden in Thüringen im Einsatz bin,
und diese Angelegenheit auch über die Grenzen des Freistaates hinaus Wirkung haben wird muß alles juristisch mögliche getan werden, die Aufnahme eines Strafverfahrens gegen den „Jäger“ Manfred Ißleib zu erreichen.
Dieses ist einerseits möglich durch eine Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt gegen den Staatsanwalt, was zumindest zu einer Verfahrensprüfung führen muß. Andererseits kann an die Generalstaatsanwaltschaft mit der Bitte herangetreten werden, im Rahmen der Fach- und Dienstaufsicht eine Prüfung vorzunehmen.
Es ist unbestreitbar, daß Jagdnachbarn ein Recht darauf haben, daß bei Stöberjagden ihr Revier von Hunden unberührt bleibt.
Jeder Jagdleiter tut gut daran, diese Forderung zu akzeptieren und zu achten.
Sofern das organisatorisch nicht möglich scheint, muß ein Hundeeinsatz entfallen!
Unter diesen Voraussetzungen ist es jedem Revierinhaber überlassen,
wie er den ( nicht seinen) Wildbestand bejagt und seine jagdlichen Intensionen umsetzt.
Die beste Lösung sind gutnachbarschaftliche Verhältnisse und einvernehmliche
Lösungen , reden miteinander und wo immer möglich gemeinsam jagen.

Ich habe dem Leitenden Oberstaatsanwalt , Herrn Trost , Rudolfstrasse 46
99092 Erfurt am 18.01.08 unter anderem folgendes geschrieben:

Beim lesen der Begründung des Staatsanwaltes zur Verfahrenseinstellung ist mir als Forstmann, Jäger , Hundeführer und Funktionär im Verein für Deutsche Wachtelhunde unwohl.
Die Begründung hat jagdfachliche Fehler, ist gekennzeichnet von Unkenntnis hinsichtlich Jagdpraxis und Jagdhundewesen.
Aussagen des Beschuldigten werden als wahr angenommen und auch nicht hinterfragt , die des Zeugen Savov grundsätzlich in Frage gestellt oder mit aus dem Zusammenhang gerissenen Hintergrundbetrachtungen abgetan.

Die Bewertung des Ereignisses wird in unbegreiflicher Weise vollkommen auf den Kopf gestellt.

Das alles läßt ein Gefühl sehr einseitiger Sichtweise oder gar Voreingenommenheit aufkommen.
Da ich beruflich gelegentlich auch Rechtsgutachten, Kommentare und Urteile für meine dienstliche Tätigkeit zu würdigen habe, kann ich nicht glauben , daß diese Begründung die in Thüringen übliche staatsanwaltliche Rechtsauffassung zu Tierschutz-, Jagd- und Waffenrecht darstellt.

Zu einzelnen Aspekten:
Die Jagd vom 17.11.2007 im staatlichen Forstrevier war mit den jagdlichen Nachbarn abgestimmt, auch mit dem Beschuldigten.
Da eine Stöberjagd angekündigt war, ist allen jagdlichen Anrainern klar gewesen, daß Stöberhunde frei laufend zum Einsatz kommen und unter Umständen gelegentlich ungewollt auch Jagdgrenzen überschreiten könnten.
Kein Jagdnachbar hat sich dagegen ausgesprochen, auch nicht der Beschuldigte, im Gegenteil hat er durch einen gleichzeitigen Ansitz in Grenznähe offensichtlich ebenso jagdlichen Erfolg gesucht !

Jeder Jäger muß in der Jagdprüfung die Kenntnis der Jagdhundrassen nachweisen.
Hinzu kommt, daß in der Familie des Beschuldigten selbst Deutsche Wachtelhunde gezüchtet wurden, und er die Rasse des vor ihm auf Nahdistanz erschienenen Hundes
hat erkennen und mit der stattfindenden Jagd in Verbindung bringen müssen .
Zumindest Zweifel hätten angebracht und so eine Schußabgabe sich verbieten müssen.

Die Erlegung von Hunden beim erstmaligen Antreffen ist nicht durch die Tötungs-
befugnis nach Jagdgesetz /Tierschutzgesetz legitimiert, Hunde können sich von der Leine reißen oder sich sonstwie der Einwirkung der Führer gelegentlich kurz entziehen, das ist keine Wilderei.
Erst nach mehrfachem eindeutigen in Bezug bringen, und ausreichend Versuchen anderweitig Abhilfe zu schaffen (einfangen, Halterermittlung, Beratung/Belehrung, Anzeige beim Ordnungsamt ) kann diese Annahme gerechtfertigt sein.
Schießertum und „loser Finger“ sind keine Tugenden pflichtbewußter Jagdausübung.

Das Töten eines Jagdhundes ist schon gar nicht erlaubt, explizit sind Dienst- und Jagdhunde von der Tötungsbefugnis der Jagdgesetze ausgenommen.
Wenn also nicht mit absoluter Sicherheit ein Nichtjagdhund festzustellen ist ,darf nicht geschossen werden, unter den gegebenen Umständen der nachbarlichen Stöberjagd verbietet es sich geradezu.
Unter den gegebenen Umständen (Kenntnisse des Beschuldigten , Jagd im Nachbarrevier) konnte ein wildernder Hund nicht mit Sicherheit angenommen werden.
Ob der Hund zum Zeitpunkt des Zusammentreffens mit dem Beschuldigten eine Markierung trug oder nicht ist dabei nicht maßgebend, unabhängig eventuell bestehender Verpflichtung. Markierungen können unterschiedlich sein und auch abhanden kommen.

Die Jagdhundrasse Deutscher Wachtelhund ist in Deutschland neben Cockerspaniel die einzige Stöberhundrasse.
Er ist, wie Diensthunde auch, ein Hund mit Beruf, gezüchtet, aufgezogen, ausgebildet , geprüft und eingesetzt für das Suchen und in Bewegung bringen von Wild.
Dabei wird darauf geachtet, daß die körperlichen Eigenschaften des Hundes so ausgebildet sind , daß er gesundes Wild nicht fangen kann.
Der Einsatz erfolgt also nicht zum Fangen von Wild, sondern Aufgabe ist das Auffinden und Anjagen zum Herbeiführen eines Zusammentreffens von Wild und Jäger.
Der Deutsche Wachtelhund sucht nicht sichtig, sondern spurlaut, mit der Nase die Fährte verfolgend, und kündigt sich damit dem Wild an.
Durch diese Arbeitsweise ist der Hund wesentlich langsamer als jede in Deutschland vorkommende Schalenwildart.
Das Wild stellt seine Fluchtdistanz darauf ein, zieht ohne erheblichen Streß vor dem lauten Hund her.
Gerade deshalb entspricht diese Jagdart auch keinesfalls der verbotenen Hetzjagd .
Gelegentliches sichtiges Folgen des Hundes kommt selten vor, wenn z.B. Wild zufällig aufgestoßen wird, nach kurzer Zeit entsteht jedoch wieder eine so große Distanz, daß der Hund auf Spurarbeit mit tiefer Nase übergehen muß.

Wildern heißt, vorsätzlich in einem fremden Revier Beute machen und diese sich aneignen wollen.
Das steht nach meinem Dafürhalten hier weder für den Anzeigenerstatter (Hundeführer) noch seinen Hund zur Debatte.
Der Hundeführer mit Hund war Gast im staatlichen Jagdrevier , hatte dort einen zugewiesenen Stand , der Hund sollte dort Wild aufbringen und der Hundeführer dort Beute machen.

Hierfür werden die Hunde , wie vergleichsweise auch Diensthunde der Polizei oder des Zoll, etwa 3 Jahre ausgebildet, legen Prüfungen ab und erlangen damit die „jagdliche Brauchbarkeit“ nach dem Bundes- und den Landesjagdgesetzen sowie dazu erlassenen Verordnungen und Richtlinien.
Das dieses sach- und fachgerecht geschieht ist unter anderem auch Sinn und Interesse der Arbeit des Verein für Deutsche Wachtelhunde e.V mit Deutschlandweit über 4000 Mitgliedern.
Diese Abrichtung der Hunde ist sehr zeitaufwendig und auch teuer ( Anschaffung, Impfungen, Tierarztatteste, Prüfungsbebühren, Ausrüstung, Reviermieten, Übungs-materialien, Fahraufwand ...) – deshalb auch der besondere Schutz für Dienst- und Jagdhunde in den Jagdgesetzen.

Eine Schußabgabe ohne Abwägung der Umstände, Tatsachen und Interessen im vorliegenden Fall ist nach meiner Meinung Vorsatz , zumindest jedoch grobe Fahrlässigkeit, und damit strafrechtlich relevant im Sinne des Tierschutzes, des Jagd – und Waffenrechtes.

Mit der Ausbildung als Jäger und der Erteilung eines Jagdscheines muß vorausgesetzt werden können, daß ein Jagdhund als solcher erkannt wird, im Zweifel darf Unvermögen nicht herangezogen werden um Töten zu begründen, es ist dann untersagt.
Das Jagdprivileg des Tierschutzgesetzes ist ein hohes Gut und stellt an den Jäger zurecht hohe Anforderungen und Erwartungen.

Mit dem nach Jagdgesetz nicht zulässigen Töten eines Jagdhundes entfällt die Tötungsbefugnis als vernünftiger Grund nach Tierschutzgesetz.
Der Beschuldigte ist mit dem tierschutzwidrigen Töten eines Säugetieres nicht mehr zuverlässig im Sinne des Jagd- und Waffenrechtes.

Es wäre erfreulich, wenn meine Informationen mit zu einer Prüfung und Änderung der Sichtweise zu diesem Fall beitragen könnten.


Dirk Busch

siehe auch WWW.Wachtelhund.de ==> Chat



Weiter [Alt+c]Zur Übersicht [Alt+x]Zurück [Alt+y]

Anschrift

Verein für Deutsche
Wachtelhunde e.V.
Landesgruppe BW-Nord
Pestalozzistraße 8
74348 Lauffen a. N.

Telefon:
07133 2007982

Telefax:
07133 965796

E-Mail:
info@dw-bw-nord.de

 


ITOGETHER * Verein für Deutsche Wachtelhunde e.V. Landesgruppe BW-Nord